Fachtagung

Donnerstag, 22. Oktober 2026
Forum, Jugenddorf Knutwil

Eltern im Hilfeprozess: Ressource, Risiko oder Randnotiz?

Elternaktivierende Arbeit im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe

Die stationäre Kinder- und Jugendhilfe steht zunehmend unter Druck. Psychiatrien, Institutionen und Fachstellen verzeichnen steigende Fallzahlen bei gleichzeitigem Fachkräftemangel und begrenzten Platzierungsmöglichkeiten. Die Fälle, die zur ausserfamiliären Unterbringung führen, sind komplex: Psychische Erkrankungen, Suchtproblematiken, familiäre Überforderung und sozioökonomische Belastungen überlagern sich und erschweren gezielte Interventionen.

In diesem Kontext werden Eltern häufig als überfordert erlebt. Sie sind rechtlich verantwortlich, emotional direkt betroffen und werden in der Praxis dennoch oft primär als Problemfaktor wahrgenommen. Die Qualität der Zusammenarbeit mit Eltern beeinflusst den Verlauf einer Massnahme erheblich. Ob sie in den Hilfeprozess eingebunden werden, ist jedoch oft weniger eine fachliche Entscheidung als eine Frage von Systemlogiken, Zuständigkeiten und institutionellen Routinen.

Die Fachtagung greift dieses Spannungsfeld auf und stellt die relevanten Fragen in den Mittelpunkt: Wie nehmen KESB, Jugendanwaltschaft und Fachstellen die Rolle der Eltern wahr, und welche Erwartungen und Routinen prägen diesen Blick? Welche rechtlichen und institutionellen Möglichkeiten bestehen, Eltern aktiv einzubinden? Und unter welchen Bedingungen gelingt eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Eltern, Behörden und Institutionen?

Programm

08.30

Eintreffen (Kaffee & Gipfeli)

09.00

Begrüssung, Kathrin Burkhardt, Gesamtleiterin Jugenddorf Knutwil

09.15

Impulsreferat: KESB – Christine Glur

09.55

Impulsreferat: Jugendanwaltschaft – Arne Bell

10.35

Pause

11.00

Impulsreferat: Systemische Interaktionstherapie – Larissa Fischer

12.00

Mittagessen

13.30

Austauschplattformen (parallel, mit Wechsel nach 45 Min.)

15.30

Podiumsdiskussion

16.15

Abschluss

Austauschplattformen 

Die Tagung bietet zwei parallele Austauschplattformen, zwischen denen gewechselt wird.

Austauschplattform 1: Umgang mit «schwierigen» Eltern

Mit Larissa Fischer

In den unterschiedlichsten fachlichen Bereichen der Kinder-, Jugend und Familienhilfe sind Elterngespräche/Elternarbeit ein fester Bestandteil der professionellen Arbeit. Bestenfalls verlaufen diese gelingend und es entsteht eine tragfähige Zusammenarbeit zwischen Eltern und Professionellen. 

Bei Gesprächen in denen Probleme benannt werden (müssen), können die Beteiligten jedoch manchmal in ein ungünstiges «Beziehungsmuster» geraten. Dies hat oft negative Auswirkungen für alle Beteiligten und den weiteren Verlauf des Hilfeprozesses zur Folge. 

Wir unterscheiden in der systemischen Interaktionsberatung hauptsächlich zwischen zwei ungünstigen Beziehungsmustern (Abgabe- und Kampfmuster), welche verhindern, dass Eltern sich aktiv an der Problemlösung beteiligen. Somit liegt die wohl wichtigste Ressource im Veränderungsprozess brach. Um eine bestmögliche Entwicklung des Kindes/Jugendlichen zu bewirken, ist es wünschenswert, dass die Beteiligten aus den ungünstigen Mustern heraustreten und eine Kooperationbeziehung aufbauen.

In der Austauschplattform sollen Wege aufgezeigt werden, wie es mir als professionelle Fachkraft durch die Anwendung veränderter Strategien, welche untrennbar mit einer zutiefst systemischen Grundhaltung verbunden sind, gelingen kann, die Eltern in eine Kooperationsbeziehung einzuladen. 

Erste Ideen sollen vorgestellt, in einzelnen Sequenzen spielerisch analysiert und diskutiert werden.

Austauschplattform 2: Eltern, Fachstellen und Behörden

Mit Christine Glur und Arne Bell

Wenn Kinder und Jugendliche platziert werden, treffen unterschiedliche Logiken aufeinander: Die Aufträge von KESB, Jugendanwaltschaft oder Fachstellen, die Möglichkeiten und Grenzen der Institution und die Rolle der Eltern, die sich oft an den Rand gedrängt fühlen. Die Austauschplattform nimmt dieses Spannungsfeld in den Blick und zeigt auf, wo Eltern entmündigt werden und wie ihre Beteiligung gelingen kann. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Behörden und Praxis werden Modelle diskutiert, die Eltern stärker in den Hilfeprozess einbinden und so Verantwortung, Kooperation und Vertrauen fördern.

  • System-Logik: Wie sehen KESB, Jugendanwaltschaft und Ämter Eltern – und wo entsteht Reibung?
  • Fallstricke: „Reparieren, delegieren, abgeben“ wie diese Haltung Eltern entmündigt.
  • Perspektive: Was brauchen Eltern, um im Dreiecksverhältnis (Institution – Behörde – Eltern) handlungsfähig zu bleiben?

Kosten & Anmeldung

Kosten: CHF 120.00 pro Person

Zur Anmeldung

Fragen? Kontaktieren Sie uns: info@jugenddorf.ch | 041 925 78 78